Die Stations-Ärztin als Yogalehrerin

Heute möchte ich euch von meinen ersten Erfahrungen mit Yoga in der modernen Medizin berichten.

Ich war für einige Tage in Vertretung als Stationsärztin in einer neurologischen Reha-Klinik tätig. An meinem freien Tag habe ich die wunderbare Möglichkeit genutzt, dort mit einigen der Reha-Teilnehmer*innen Yoga Nidra und auch einzelne Positionen aus dem Yin Restorative Yoga zu praktizieren.

Es war für mich eine spannende Erfahrung, wie sich die teils sehr schwer kranken Menschen darauf einlassen konnten! Ich danke Ihnen allen für diese wundervollen Stunden und das Vertrauen in mich. Ich habe wieder viel gelernt und es erfüllt mich mit besonderer Freude, mein Wissen auch inmitten des Krankenhaus-Alltages teilen zu dürfen.

Nachdem sie mich schon einige Tage als ihre Stationsärztin kannten, fragte ich einige Reha-Teilnehmer*innen meiner Station, ob sie eine geführte Entspannungstechnik und ein paar Yoga-Übungen ausprobieren wollten. Diese hatte ich für sie ganz individuell ausgesucht und passte sie entsprechend ihrer Fähigkeiten und Einschränkungen an. Obwohl sie bisher keine Yoga-Erfahrung gemacht hatten und wahrscheinlich sonst auch nicht von sich aus zum Yoga gegangen wären, stimmten alle rasch zu.

Es war einfach wundervoll zu sehen, wie verblüfft sie von der Wirkung waren. Verblüfft, anders kann ich es nicht beschreiben 😉 Ich durfte z.B. ich ein sehr nettes älteres Ehepaar sitzend durch eine ca. 30 minütige Yoga Nidra-Session leiten. Er leidet an einem Parkinson-Syndrom und seine Frau hatte ihn nach einer schweren Rücken-OP in die Reha begleitet, um ihn dort zu unterstützen. Beide waren nach dieser erstmaligen Erfahrung erst einmal sprachlos und verwundert, wie ruhig und „weggetreten“ sie sich erlebt hatten. Und nach der Restorative Yoga-Position, in der sie ca. 20 Minuten liegend verweilt hatten, zeigten sie sich so dankbar und berührt, dass sie mich gleich als Yogalehrerin in ihrem Heimatort engagieren wollten. Ihr Ehemann sei sonst nie so entspannt und ruhig, gab seine Frau begeistert an und konnte es kaum glauben. Sie habe ebenso wunderbar loslassen und zur Ruhe kommen können.

Hiernach durfte ich einen Mann mit einer Querschnittslähmung in zwei ausgesuchte Positionen aus dem Yin Restorative Yoga begleiten. Er mochte hiernach eigentlich kaum sprechen, so entspannt war er. Endlich sei er einmal für eine Stunde schmerzfrei gewesen! Das hätte er auch unter seinen starken Schmerzmitteln seit vielen Monaten nicht mehr erlebt. „Herrlich.“ brachte er noch raus, bevor er sich lieber wieder in Schweigen hüllte und „weiter diesen Zustand genießen“. Auch seine Frau war sehr überrascht, wie gut er sich entspannen konnte. Sie selbst ist seit vielen Jahren an einer Multiplen Sklerose erkrankt und hatte mit mir die 30-minütige Yoga Nidra-Session genossen, die für ihren Mann aufgrund der deprimierten Grundstimmung nicht infrage gekommen war.

Eine weitere Rehabilitandin, die gerade mehrere kleine Schlaganfälle hinter sich hatte, war mir bereits zu Beginn wegen ihrer neu aufgetretenen Ängste und einer großen inneren Unruhe aufgefallen. Seit Längerem hinderten sie „unruhige Beine“ abends am Einschlafen, in der modernen Medizin auch als restless legs syndrome bekannt. In einer von mir für Anfänger*innen abgekürzten Yoga Nidra-Session konnte sie erleben, dass sie doch über einen längeren Zeitraum ganz ruhig liegen und entspannt (fast) einschlafen kann. Eine spezielle Lagerung der Beine half ihr noch leichter diese zur Ruhe kommen zu lassen. Seitdem macht sie diese Lagerung und ein Teil des Yoga Nidra jeden Abend und kann bereits eine deutliche Linderung ihrer inneren Unruhe im Alltag feststellen.

Dieser sehr besondere Yoga-Unterricht war für mich als Yogalehrerin und Ärztin gleichermaßen spannend, erfolgreich und erfüllend!

Genau das ist es, was ich mir wünsche: Dass ich diese scheinbare Lücke zwischen der modernen Medizin und den hoch effizienten, Jahrtausende alten Methoden des Yoga, Tantra und des Ayurveda (in unseren Köpfen) überwunden wird. So dass Menschen, die sonst nicht auf die Idee kommen würden, Yoga auszuprobieren oder Scheu davor haben, auch einen Zugang dazu finden und hiervon profitieren können – fernab von oder zusätzlich zu den Medikamenten und gegenwärtig gängigen therapeutischen Methoden.

Mit einigen Krankenpflegerinnen, die meine Bemühungen die Patienten zusammenzurufen und die Räumlichkeiten von den Physiotherapeuten zu organisieren (Danke an dieser Stelle auch nochmals auf diesem Wege hierfür!) mitbekommen hatten, habe ich dann nach Schichtende eine Entspannung mit einer kurzen Yoga Nidra-Session gemacht. Eine Kollegin erzählte mir am nächsten Tag, dass sie zum erste Mal seit Monaten abends schnell und ohne Probleme einschlafen konnte 🙂

Herrlich! Glücklich! Zufrieden! Ich danke allen Patient*innen, Teilnehmer*innen und Kolleg*innen, die mir ihr Vertrauen geschenkt und ihre Zeit mit mir genossen haben!

Namasté

Eure Ananda 😉