Restorative Yoga in der Reha-Klinik

Die Stations-Ärztin als Yogatherapeutin

Heute möchte ich euch an meinen eigenen Erfahrungen als Ärztin und Yogatherapeutin in einer neurologischen Reha-Klinik teilhaben lassen. Dort war ich für drei Wochen als Stationsärztin in Vertretung tätig.

Nachdem ich bereits zehn Tage lang ca. 30 PatientInnen betreut hatte, verspürte ich immer mehr den Wunsch, ihnen auch die wunderbare Kraft des Yoga zukommen zu lassen. An einem freien Tag nutzte ich die Chance, mit einigen Neugierigen Yoga Nidra und Yin Restorative Yoga zu praktizieren.

Ich war total überrascht, wie offen die teils sehr schwer kranken Menschen sofort zusagten und sich auf diese neue Erfahrung einließen.

Ich führte vier PatientInnen in einer kleinen Gruppe teils sitzend, teils liegend in den „Schlaf des Yogi“, auch bekannt als Yoga Nidra. Es war einfach wundervoll zu sehen, wie verblüfft sie von der Wirkung waren, verwundert, wie ruhig und „weggetreten“ sie sich fühlen konnten.

Ich führte danach ein sehr nettes Ehepaar, beide über 70 Jahre, noch in speziell für sie ausgesuchte Positionen aus dem Yin Restorative Yoga. Seine Frau hatte ihn nach einer schweren Rücken-OP mit kompletter Wirbelsäulenversteifung und langjährig bekanntem Parkinson-Syndrom in die Reha begleitet. Und nach der Restorative Yoga-Position, in der sie ca. 20 Minuten liegend verweilt hatten, waren sie unendlich dankbar und berührt. Ihr Ehemann sei sonst nie so entspannt und ruhig, konnte seine Frau kaum glauben.

Hiernach durfte ich einen Mann mit einer Querschnittslähmung in zwei ausgesuchte Positionen aus dem Yin Restorative Yoga begleiten. Er mochte hiernach eigentlich kaum sprechen, so entspannt war er. Endlich sei er einmal für eine Stunde schmerzfrei gewesen! Das hätte er auch unter seinen starken Schmerzmitteln seit vielen Monaten nicht mehr erlebt. „Herrlich.“ brachte er noch raus, bevor er sich lieber wieder in Schweigen hüllte und „weiter diesen Zustand genießen“. Auch seine Frau war sehr überrascht, wie gut er sich entspannen konnte. Sie selbst ist seit vielen Jahren an einer Multiplen Sklerose erkrankt und hatte mit mir die 30-minütige Yoga Nidra-Session genossen, die für ihren Mann aufgrund der deprimierten Grundstimmung nicht infrage gekommen war.

Eine weitere Rehabilitandin, die gerade mehrere kleine Schlaganfälle hinter sich hatte, war mir bereits zu Beginn wegen ihrer neu aufgetretenen Ängste und einer großen inneren Unruhe aufgefallen. Seit Längerem hinderten sie „unruhige Beine“ abends am Einschlafen, in der modernen Medizin auch als restless legs syndrome bekannt. In einer von mir für Anfänger*innen abgekürzten Yoga Nidra-Session konnte sie erleben, dass sie doch über einen längeren Zeitraum ganz ruhig liegen und entspannt (fast) einschlafen kann. Eine spezielle Lagerung der Beine half ihr noch leichter diese zur Ruhe kommen zu lassen. Seitdem macht sie diese Lagerung und ein Teil des Yoga Nidra jeden Abend und kann bereits eine deutliche Linderung ihrer inneren Unruhe im Alltag feststellen.

Dieser sehr besondere Yoga-Unterricht war für mich als Yogalehrerin und Ärztin gleichermaßen spannend, erfolgreich und erfüllend!

Genau das ist es, was ich mir wünsche: Dass ich diese scheinbare Lücke zwischen der modernen Medizin und den hoch effizienten, Jahrtausende alten Methoden des Yoga, Tantra und des Ayurveda (in unseren Köpfen) überwunden wird. So dass Menschen, die sonst nicht auf die Idee kommen würden, Yoga auszuprobieren oder Scheu davor haben, auch einen Zugang dazu finden und hiervon profitieren können – fernab von oder zusätzlich zu den Medikamenten und gegenwärtig gängigen therapeutischen Methoden.

Nach Schichtende habe ich dann noch mit einigen der Pflegerinnen, die von meinen Yoga-Stunden mitbekommen hatten, eine Entspannung mit einer kurzen Yoga Nidra-Session gemacht. Eine Kollegin konnte zum ersten Mal seit Monaten abends schnell und ohne Probleme einschlafen 🙂

Ich danke ihnen allen für diese wundervollen Stunden und das Vertrauen in mich. Es erfüllt mich mit besonderer Freude, mein Wissen auch inmitten des Krankenhaus-Alltages teilen zu dürfen.

Alles Liebe,

Deine Nina

2 Gedanken zu „Restorative Yoga in der Reha-Klinik

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